Grafik: Animal Nitrate

Guten Abend liebe Leser_Innen,


schön, dass Ihr noch da sein. Heute geht es um „Animal Nitrate“ aus dem August dieses Jahres. Wie auch „Infantiler Scheiss“ ist es mit Kohle, Fasermarker und Kreide auf Holzuntergrund gezeichnet. Es misst 95 Zentimeter in der Breite und 59 in der Höhe. Abgebildet sind drei Personen, die sich teils gegenseitig mustern. Hier lässt sich inhaltlich nicht viel sagen, da einfach nichts weiter als drei Menschen ohne Kleidung, Haare oder nennenswerte Eigenschaften. Wie beinahe alle meine Bilder ist es aus einem lustlos dahin geschmierten Gekrakel entstanden und sieht in seiner fertigen Fassung nur wenig besser aus. Die Arbeit hat Spaß gemacht, wenn man das vielleicht auch am Resultat nicht erkennen kann. Nachdem ich zunächst die groben Umrisse und markanten Gesichtszüge vorgezeichnet und mit einem Fasermarker schraffiert. Die dadurch entstanden Kontraste habe ich dann mit grauer und schließlich mit schwarzer Kohle nachgearbeitet. Durch weiße Kreide hob ich die markanten Erhebungen und Konturen vom Schwarz ab und umriss die Konturen erneut mit dem Fasermarker. Das Ergebnis gefällt mir, ob es euch gefällt, steht noch als unangenehme Frage im Raum. 


Bis nächste Woche,
Euer Linus Misera

„Animal Nitrate“, Linus Misera, August 2012



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Stimmungsbild: Der Ballsaal der Finsternis

Guten Tag liebe Leser_Innen, 

heute Nacht geht es für mich und eine fabulöse Begleitung auf Wanderschaft in die dunklen Gefilde der hannoverschen Diskothekenland-schaft. Ziel unserer Fahr ist der „Ballsaal der Finsternis“, vormals „Darkon“ genannt, der nun schon länger im schönen Linden residiert. Besagte Örtlichkeit ist ein überaus gemütlicher Treffpunkt für alle Facetten der nokturnen Randkultur und eine der wenigen Szenediskos, die den Wurzel der schwarzen Szene noch treuen Tribut zollen. Zu verdanken ist das der guten Seele des Ballsaals, Bullo, der schon in schwarzen Untergrund daheim war, als die Bewegung noch frisch und jung war. Das merkt man. Ein Besuch im Ballsaal ist wie eine Reise in die Vergangenheit einer Szene, die heute doch vielerorts allzu trivialisert und kommerzialisiert wird. Ich freue mich auf den Abend und hoffe, dass auch Ihr Euch gut amüsieren werdet. 

Es winkt mit dem Leichentuch, 
Euer Linus Misera

Lyrik: Liebeslieder an ein System I

Guten Abend liebe Leser_Innen, 

nach dem ich es vor zwei Wochen versprochen hatte, will ich mein Wort nun verspätet einhalten und mal wieder etwas Lyrisches beisteuern. Es geschieht mir selten, dass mich tatsächlich wie aus dem Nichts ein guter Gedanke überkommt. Für gewöhnlich entsteht eine brauchbare Idee während oder durch konzentrierte Arbeit. Hier war es anders. Das folgende Lyrikfragment ist sehr schnell und ohne großes Nachdenken entstanden und war eigentlich sofort fertig. Mir persönlich gefällt es so gut, dass ich es mit vorhandenen Versatztücken zu einem Zyklus von Gedichten ausbauen will. So kann ich Euch heute Abend das erste Bruchstück der „Liebeslieder an ein System“ präsentieren. Viel Spaß, vielleicht gefällt es Euch. Sollte das nicht der Fall sein, ist das okay. 

Liebe Grüße, 
Euer Linus Misera


        Liebeslied an ein System I

    In den austauschbaren Autos fahren austauschbare Menschen
    Durch die austauschbaren Straßen dieser austauschbaren Stadt

    Und der austauschbare Autor dieses austauschbaren Textes
    Schreibt den flüchtigen Gedanken auf ein austauschbares Blatt

    Denn was schnell verblühend aufkeimt, voller zarter Flüchtigkeit
    Ist der Sand in dem Getriebe der Maschine uns'rer Zeit.



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Stimmungsbild: Probleme, die sonst nur Hipster haben

Guten Abend liebe Leser_Innen,

wenn ich Euch jetzt erzählen würde, ich hätte mir Sojamilch über mein MacBook gekippt, für was für einen Menschen würdet Ihr mich dann halten? Na klar! Für einen Vertreter der politisch korrekten, durchgentrifizierten und abgehobenen Mittelschicht. Für einen pikierten, pseudointellektuellen, eitlen und paradoxen Elfenbeinturmbewohner, der mit getunnelten Ohren und Undercut bei Starbuck's sitzt und über den Kapitalismus schimpft. Wenn ich mir das jetzt so vor Augen führe, ist da viel Wahrheit drin. 
Dennoch ist es passiert: Beim Zeichnen und Musikhören habe ich mir Sojamilch über meinen Rechner gegossen. Keine Ahnung, ob der Rechner jetzt innerhalb der nächsten Tage aufgibt, kann passieren. Sollte dieser Fall eintreten, werde ich wohl etwas unregelmäßiger schreiben. Das war's auch eigentlich soweit von meiner Seite aus. 
Ich liebe Euch. 

Liebe Grüße,
Linus Misera

Grafik: Infantiler Scheiss

Guten Abend liebe Leser_Innen,

Der Unterlegene
tretet näher, kommt heran. Es geht diesen Abend um die Grafik „Infantiler Scheiss“. Das Exponat entstand in der Nacht auf den 
7. August 2012 und misst 59 Zentimeter in der Breite und 95 in der Höhe. Der Malgrund ist eine dünne Holzplatte vom Sperrmüll, gezeichnet wurde mit einer Mischung aus Fasermarker, Kohle und weißer Kreide. Die Arbeit hat etwa zwei Stunden gedauert und hat außerordentlich viel Spaß gemacht. Motivisch möchte ich auch ein Wenig ins Detail gehen, ohne dabei aber viel einer möglichen Deutung vorauszunehmen. Abgebildet sind zwei Personen, welche sich in einem klassischen Macht-Ohnmacht-Verhältnis gegenüber-stehen. 
Der Mächtige
Die größere der beiden Personen trägt einen zurückgebundenen Irokesenschnitt und domininiert mit ihrem Körper die rechte Bildhälfte. Mit Tentakeln, die aus ihrem Oberkörper entspringen, hält sie die kleinere Person im Würgegriff und schaut bedrohlich auf sie herab. Die kleinere Person schaut verängstigt auf. Unfähig sich zu wehren, mit gefesselten Armen ist sie ihrem Gegenüber  völlig ergeben und ausgeliefert. Über dem Kopf der rechts stehenden Person schwebt eine Sprechblase mit dem comichaften Schriftzug „LOVE ME!“. Es ist die dargestellte Dualität des mächtigen und das machtlosen Menschen

Detailansicht: Tentakel
Das Bild ist das Produkt einer Laune und nicht das eines definierten Hintergedankens. Wer eine Interpretation findet, macht für sich selbst einen Schritt nach vorn. Wer mir jedoch eine Aussageabsicht unterstellt, liegt hier ziemlich daneben. Ohnehin bin ich der Auffassung, dass die übersteigerten Interpretations- versuche, die in Schulen und Universitäten als Zugang zu künstlerischen Werken gelehrt werden, narrenhafte Versuche sind, sich mit Kunst auf einer Theorieebene auseinander zu setzten, die, schlicht gesagt, Schwachsinn ist. Ich bestreite nicht, dass Kunst auch immer eine Idee, einen Gedanken oder Kritik transportiert, doch allzu oft fällt bei dem Versuch, selbige herauszufiltern das Werk an sich der Vernachlässigung anheim.
Das ist aber natürlich auch nur die Meinung eines Narren.

Das war es für heute, 
bis dann ihr Lieben,
Linus Misera


„Infantiler Scheiss“, Linus Misera, August 2012

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Stimmungsbild: Kreidezeit

Guten Abend liebe Leser_Innen,

nachdem ich lange nur tumb auf die reputativen Inhalte meiner älteren Bilder gestarrt habe, ohne etwas Neues zu machen, bin ich mittlerweile wieder in einer Phase der heiteren Regsamkeit. Das Geheimrezept, das mich aus der Versenkung holt heißt Mischtechnik und setzt sich gleichermaßen aus Kohle, Tinte, Kreide und Feinliner zusammen. Seit mehreren Tagen bin ich wieder eifrig dabei, neue Großformate zu zeichnen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse der Arbeit sind gewohnt dunkel, vermitteln mir aber auf einer neuen Ebene subtile Heiterkeit. Gut, dass es weitergeht. Hier habt Ihr schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was kommt. 

Der Kampf geht weiter, 
Linus Misera

Gemälde: Leaving Scars

Guten Abend liebe Leser_Innen,

lieb, dass Ihr reinschaut. Das heutige Exponat bedarf keiner Erklärung, worum es geht. Die Bildelemente auf dieser Leinwand sind altbekannt und doch ist das Bild etwas Besonderes. Viele Komponenten dieses Bildes, wie Kameras, verzerrte Gesichter oder Ähnliches, welche geneigte Leser_Innen auch auf vielen anderen meiner Bilder entdecken, tauchen hier chronologisch zum ersten Mal auf. „Leaving Scars“ (60x80cm) lag seit geraumer Zeit in meiner ehemaligen Schule und wartete darauf, dass ich es wieder mit nach Hause nehme. Grund seines dortigen Aufenthaltes war der Umstand, dass ich mit meiner Kunstnote in Schieflage geraten war und eifrig ein paar fertige Werke abgab um mich abzusichern. So kann es gehen. Nun ist diese Stück wieder bei mir und harrt einer ungewissen Zukunft, wie ich selbst. 

Liebe Grüße und einen schönen Abend, 
Euer Linus Misera

„Leaving Scars“, Dezember 2011, Linus Misera

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Stimmungsbild: les mains noires

Guten Abend liebe Leser_Innen, 

ich will keine großen Worte verlieren, keine Angst. Ich bin derzeit nicht gut gelaunt ohne selber genau zu wissen warum. So finde ich keinen Grund, unzufrieden oder unglücklich zu sein und bin es dennoch. Daher wird es diese Woche wahrscheinlich eher wenig Positives von mir zu hören geben. Ich bitte dafür schon einmal im Vorraus um Verzeihung, Ihr Lieben.
Gemalt wird natürlich trotzdem, ohne Rücksicht auf saubere Hände oder Kleidung. Kunst ist etwas Wunderbares. Mit jedem Bild schafft man sich einen Gesprächspartner. Die Ergebnisse dieser kleinen Malorgien kriegt ihr ab nächster Woche zu sehen. Auch Lyrik wird es diese Woche, wie versprochen, noch geben. 

Bis dann Ihr Süßen,
Linus Misera

Gemälde: Krea

Guten Abend liebe Leser_Innen,

hoffentlich ist es nicht in Vergessenheit geraten, dass ich mich mal an Ölfarben zu Schaffen gemacht habe. Das Resultat dieser Gehversuche ist 59 cm breit, 95 cm hoch und hört auf den Namen „Krea“.
Eigentlich hatte ich es schon vor etwas längerer Zeit fertig gestellt und war lediglich mit den Fotografien unzufrieden. Nun, da meine Schwester eine neue Kamera hat, konnte ich endlich etwas bessere Bilder von dem guten Stück schiessen. Wirklich zufrieden bin ich mit denen zwar immer noch nicht ganz aber länger will ich „Krea“ jetzt auch nicht zurückhalten. 
Die Arbeit hat ausgesprochen lange gedauert und viel Spaß gemacht. In mehreren Malgängen habe ich Schicht um Schicht an Farbe aufgetragen und dabei mein Zimmer in den unschmeichelhaften Duft alter Ölfarben gehüllt. Das Bild hat eigentlich alles, was ein gutes Bild braucht: Brüste, einen Penis, Biomechanik und schnöde Bibelreferenzen. Wer da jetzt noch meckert, den verstehe die Welt. 

Liebe Grüße und Küsschen, 
Euer Linus Misera

„Krea“, Juni 2012, Linus Misera

   





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Stimmungsbild: Schreiben und schreiben lassen

Guten Abend liebe Leser_Innen,


seid mir ganz herzlich gegrüßt. Als ich mich vor einigen Tagen durch einen Zufall der Herausforderung ausgesetzt fand, eine Stunde in der Nienburger Innenstadt totschlagen zu müssen, trugen mich meine Füße zunächst ziellos umher. In der vagen Hoffnung, einen netten Bücherladen zu finden strich ich durch die Altstadt, die zu gegeben früher Stunde nur wenig bevölkert, jedoch nicht unbelebt war. Ohne Zeitdruck oder Ziel schlendernd, schwand mein Glaube daran, hier ein Geschäft zu finden, das mich reizen könnte. Als ich schon glaubte, der lokale Büchermarkt wäre vollständig in der Hand austauschbarer Großhandelsfilialen (Weltbild, Bertelsmann...) fiel mein Blick auf ein blaues, malerisches Altstadthaus. In verspielten Lettern zierte der Name „Bücherbutze“ die schmuckvolle Optik des Geschäfts. So trat ich ein und fand meine Hoffnungen erfüllt: Ein kleiner Laden mit hohen Regalen und einer netten Auswahl zeitgenössischer Literatur. Nach einem kurzen Gespräch und dem Versprechen der Wiederkehr verließ ich mit zwei neuen Schätzchen das Geschäft. 
Zum Einen wäre da Daniel Graebers „Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus“ zum Anderen „Marxismus - Ein Sachcomic“ von Rupert Woodfin und Oscar Zarate. Ich denke ich werde viel Spaß mit den Beiden haben auch wenn ich zurzeit noch mit „Die Entzifferung der Schmetterlinge“, einem Roman von Stephan aus dem Siepen zu tun habe. Die Bücherbutze werde ich ohne Frage bei Zeiten wieder aufsuchen. Sie hat gute Chancen, neben dem Antiquariat an der Limmer Straße, zu meinem Lieblingsbuchladen zu werden. 

Auch ich selbst habe es wieder mit dem geschriebenen Wort versucht und stolperte am 27.7. auf die Bühne des SPAM!-Poetry Slams in Hannover. Nennenswerte Siege ließen sich für mich nicht erstreiten aber das war mir erstaunlich gleichgültig. Dank geht an alle Gäste, die da waren und für tolle Stimmung gesorgt haben und die anderen Poeten die sich unter den achtsamen Augen von Elias und Florian auf die Bühne gestellt haben. Es war ein schöner Abend. Ein dicker Sonderdank geht dazu an meine guten Leute im Publikum. An Tim, Antonia, Ole, Jost, Nadine und Anna, von denen kaum eine_r das hier lesen wird. Ich freue mich auf den Auftritt am kommenden Samstag auf dem Fährmannfest. Kommt alle, kost' ja nüscht. Schaut dazu ruhig auf meiner Termine-Seite vorbei. Hier auf dem Blog gibt es nächste Woche wieder ein wenig Lyrik.


Liebe Grüße,
Euer Linus Misera

 
Das Foto stammt von Kevin Münkel. Großen Dank dafür. Besucht unbedingt seine Website.



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